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Sigmaringendorf

Zwangsarbeitergräber (Friedhof)

Zwangsarbeitergräber  (Friedhof)

Bereits während des Ersten Weltkriegs wurden ab  1915 als Ersatz für die zum Kriegsdienst gerufenen ei nheimi schen  Industriearbeiter zunächst russische und in der Folge englische  Kriegsgefangene im Hüttenwerk Laucherthal in der Rüstungsproduktion  eingesetzt. Im Zweiten Weltkrieg wiederholte sich dies in den Jahren  1940 bis 1945 in einem noch weitaus stärkeren Umfang. Nahezu 1700  ausländische Kriegsgefangene und zivile Zwangsarbeiter aus 16  verschiedenen Nationalitäten waren unter teilweise harten, ja  unmenschlichen Bedingungen in zumeist zwölfstündiger Schichtarbeit in  der Herstellung von Rüstungsgütern beschäftigt.

Für die Unterbringung der durch materielle Anreize, aber auch Zwang  nach Laucherthal verpflichteten Männer und Frauen wurde am Ortsausgang  zu beiden Seiten der Hitzkofer Straße in mehreren Bauphasen ein  umzäuntes Barackenlager primitivster Art errichtet. Unter den  ausländischen Beschäftigten finden sich Menschen vor allem aus Polen,  Russland und der Ukraine, weiter aus Tschechien, Kroatien, Litauen,  Lettland, Ungarn, Holland, Belgien, Italien, Frankreich sowie Griechen  aus dem damals von Bulgarien okkupierten Kawalla. Harte  Arbeitsbedingungen, unzureichende Ernährung und Bekleidung sowie  schlimme hygienische Zustände führten zu Erkrankungen und Todesfällen:  Acht Männer und eine Frau sowie neun zumeist im Lager geborene Kinder  überlebten die Zeit in Laucherthal nicht. Auf dem Friedhof  Sigmaringendorf erinnert ein Gräberfeld mit der Ruhestätte von sieben  Ausländern bis heute an den Zwangsarbeitereinsatz im Zweiten Weltkrieg.


Text: E. Weber


Literatur: Edwin Ernst Weber: Der „Ausländereinsatz“ am  Fallbeispiel des Hüttenwerks Lauchertal 1940 bis 1945 in: E. E. Weber  (Hg.) Opfer des Unrechts, S. 159 – 192.

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